Marrakesch

Diese Stadt nimmt alle Sinne für sich ein: Bunte Marktstände, das hektische Treiben auf den Straßen, die Schönheit der traditionellen Architektur, die Ruhe in den grünen Oasen der Stadt, der Duft von Orangenbäumen überall. Auch das Schlendern durch die Medina – Marrakeschs Altstadt – gleicht einem Erlebnis, so verwinkelt und voller kleiner, schmaler Gassen, dass man sich nur zu leicht darin verliert. Erst nach und nach merkt man jedoch, dass genau darin auch der Reiz der Stadt liegt: Sich auch mal im Altstadt-Labyrinth zu verlieren, durch die Straßen treiben zu lassen, unerwartete Ecken zu entdecken und bei einer Tasse frischen Minztee neue Kraft zu tanken. In diesem Sinne sind die folgenden Tipps in erster Linie als Ideensammlung gedacht, denn das Erkunden der Stadt lebt von Spontaneität und der Lust auch mal abseits vorgegebener Ziele zu wandern.

11.30 Uhr: In der Sonne brunchen im Black Chich

©Lisa Staub

Der erste Tag in Marrakesch – was gibt es Besseres als ihn auf einer großen Dachterrasse mit Blick über die Stadt zu beginnen? Das Café Black Chich sieht von außen denkbar unscheinbar aus – und reiht sich damit in die typische Architektur Marrakeschs ein, die – außen schlicht – im Inneren meist wunderschöne Gärten oder weitläufige Terrassen mit Blick über die ganze Stadt offenbart. Über mehrere Etagen erstreckt sich das gemütliche Café und bietet eigentlich für jede Tageszeit das Passende. Besonders zu empfehlen sind die von der Berber-Küche inspirierten Speisen wie z.B. das Gemüse-Couscous mit karamellisierten Zwiebeln sowie die frisch gepressten Säfte.

Black Chich Café & Restaurant. 1 Derb Nakouss Riad Zitoune el Jedid. Marrakesch 40000. Tgl. 11.30 – 24 Uhr.

13 Uhr: Im kulinarischen Museum die marokkanische Küche hautnah erleben

Wer beim Reisen gerne auf kulinarische Entdeckungstour geht, wird in den Straßen Marrakeschs sein Glück finden: Hier warten unzählige kleine Cafés und Restaurants mit authentischen marokkanischen Gerichten auf, die in neue, wunderbar andersartige Aromenwelten entführen. Gerade wer zum ersten Mal in Marokko ist, wird auf viel Neues treffen, zumal es jenseits von Couscous und Tajine noch so viel mehr zu entdecken gibt. Für alle Neugierigen empfiehlt sich daher ein kurzer Abstecher ins Musée de l’art culinaire: Jeder Raum widmet sich einer bestimmtem Kategorie wie z.B. landestypischen Gewürzen, Desserts oder der marokkanischen Teezeremonie, Rezept-Tipps und Videos inklusive. Wer danach Lust auf Minztee oder marokkanisches Gebäck bekommt, kann es sich bei einer Kleinigkeit auf der Dachterrasse des Museums gemütlich machen. Und für alle, die danach immer noch nicht genug haben: Das Museum bietet auch Kochkurse an.

Musée de l’art culinaire marocain. Rue El Bahia, Riad Zitoun Jdid, Médina, Marrakesch 40000. Tgl. 10 – 19 Uhr. Eintritt: 50 dhs. Kochkurs: 600 dhs.

14 Uhr: Schlendern und Stöbern in der Medina

Im Zentrum der hohen Stadtmauern, welche Marrakesch in Neu- und Altstadt teilen, liegt das Herz der Stadt: Die Medina. In ihren Straßen trifft man auf all das, was man spontan mit der Stadt assoziiert: Gassen gesäumt von roten Lehmziegel-Bauten, Stände mit Keramik, Textilien und traditionellen Gewürzen, trubelige Märkte, aber auch ruhige, schattige Orte in den Seitenstraßen abseits der Souks. Hier gilt es, keine bestimmte Straße, keine bestimmte Route zu verfolgen, sondern sich treiben zu lassen, nach Lust und Laune mal den einen, mal den anderen Weg einzuschlagen und sich ganz auf das Abenteuer in Marrakeschs Altstadt einzulassen.

16 Uhr: Minztee & Marrokanisches Gebäck im Café Kessabine

Genug gelaufen fürs Erste? Dann wird es Zeit für eine kleine Pause im Café Kessabine. Wer Marrakesch in all seinen Facetten kennenlernen möchte, darf natürlich eines nicht verpassen: Die vielen kulinarischen Highlights. Zu einer Tasse würzig-süßem Minztee empfiehlt sich z.B. die Kombination mit etwas Gebäck. Absoluter Klassiker ist hier die Pastilla au laut aus knusprigem Filoteig mit gerösteten Mandeln, einer zarten Cremefüllung und einem Hauch Orangenblütenwasser. Wer nach dem kleinen Snack noch nicht genug hat, sollte in der nahegelegenen Patisserie des Princes vorbeischauen, die Backwaren und kleinen Küchlein dort lassen das Herz aller Nachtisch-Fans höher schlagen.

Café Kessabine. 77 Souk Kessabine Jamaa Fna, Marrakesch. Tgl. 9-22 Uhr.

Patisserie des Princes. Passage Prince Moulay Rachid, Marrakesch. Tgl. 7-23 Uhr.

Alternativ: Im „Parc Lalla Hasna“ die letzten Sonnenstunden genießen

Wer doch noch Lust hat, ein wenig zu laufen, kann sich ein paar Backwaren, z.B. in der Patisserie des Princes in einer kleinen Box mitgeben lassen und das Ganze mit einem kleinen Spaziergang im nahegelegenen Lalla Hasna Park verbinden. Hier und da reihen sich Sitzbänke unter üppigen Orangenbäumen aneinander und laden zum Verweilen ein.

17 Uhr: Im Hammam entspannt den Tag ausklingen lassen

Der erste Tag in Marrakesch neigt sich dem Ende: Zeit, die vielen neuen Eindrücke sacken zu lassen und sich vom Trubel der Stadt zurückzuziehen. Wo geht das besser als bei einem wohltuenden Bad oder einer Gommage-Behandlung? Authentische Hammams gibt es in jeder Nachbarschaft bereits für weniger als 10 dhs Eintritt mit jeweils separaten Öffnungszeiten für Männer und Frauen. Ein eindrucksvoller historischer Hammam ist z.B. der Hammam Dar el-Bacha mit seiner riesigen Kuppeldecke. Darüberhinaus gibt es auch Hammam-Erlebnisse mit Spa-Touch, z.B. im Le Bain Bleu und Les Bains de Marrakech, die auch private Hammam- oder Bade-Kabinen für 1-2 Personen anbieten. Besonders zu empfehlen ist das 25-minütige Oriental Bath: Ein 25-minütiges Bad mit ätherischen Ölen, Bitterorangen-Salz und Blüten umgeben von Kerzenlicht. Tiefenentspannung garantiert.

Hammam Dar el-Bacha. 20 Rue Fatima Zohra. Hammam ab 10 Dhs. Öffnungszeiten: Tgl. 7-13 Uhr für Männer/ 13-21 Uhr für Frauen.

Le Bain Bleu 32 Derb Chora Lakbir. Hammam mit Peeling ab 200 dhs. Massage ab 400 dhs. Tgl. 10 – 23 Uhr.

Les Bains de Marrakech 2 Derb Sedra, Bab Agnou, La Kasbah, Marrakesch. Tgl. 9 – 19 Uhr. Hammam ab 230 dhs. Massage ab 370 dhs. Reservierung erforderlich: contact@lesbainsdemarrakech.com

Zweiter Tag

12 Uhr: Marokkos Geschichte in Bildern erleben im „Maison de la Photographie“

In den hellen Räumlichkeiten eines traditionellen Riads eröffneten die beiden Galeristen Hamid Mergani und Patrick Manac’h einen Ort, der den Wandel Marokkos aus einem fotografischen Blickwinkel beleuchtet: La Maison de la Photographie. Wie sehr sich das Land, aber auch seine BewohnerInnen im Laufe der Zeit verändert haben, zeigen Werke auf insgesamt drei Etagen, darunter frühe Aufnahmen seit Beginn der Fotografie im 19. Jahrhundert bis in die Moderne. Tipp: Nach der Ausstellung bietet sich ein Besuch im Café auf der Dachterrasse an, um bei einem Teller Linsensuppe oder einer Tasse Tee neue Kraft zu tanken.

Maison de la Photographie 46 Souk Ahal Fassi. Tgl. 9.30 – 19 Uhr. Eintritt: 50 dhs, für Kinder unter 12 Jahren kostenlos.

14 Uhr: Spaziergang durch den „Jardin Secret“

Zugegeben: Ganz so geheim ist der Jardin Secret im Herzen der Medina zwar nicht mehr, dennoch verirren sich vergleichsweise wenige Besucher in diese verwunschene grüne Oase. Dies liegt vermutlich auch an der großen Bekanntheit des von Yves Saint Laurent erworbenen Jardin Majorelle, der massenweise Touristen anlockt, dadurch jedoch auch viel von seiner unberührten Atmosphäre einbüßt. Wer es gerne genauso grün, aber etwas ruhiger mag, sollte sich es sich in diesem etwas weniger frequentierten Garten unter üppig wachsenden Zitrusbäumen und Olivenhainen gemütlich machen. Wo bis vor wenigen Jahren nur die heruntergekommenen Überreste eines historischen Riads waren, zauberte Gartenarchitekt Tom Stuart-Smith ein kleines Gartenparadies in Marrakeschs Altstadt. Das Gelände, auf dem sich ursprünglich bereits im 16. Jahrhundert ein Garten befand, teilte er in einen kleinen, verträumten „exotic garden“ sowie einen großen, mit türkisen Kacheln gepflasterten „islamischen Garten“. Eingerahmt wird das Ganze von einer farbenfrohen Blüten- und Pflanzenpracht aus Agaven, Orchideen, Aloe-Büschen, Dattelpalmen und dem Duft von Lavendelsträuchern und Zitronenbäumen.

Le Jardin Secret. 121 Rue Mouassine 40030 Marrakesch. Tgl. 10.30 – 18.30. Eintritt: Regulär/ Ermäßigt: 40 dhs/ 30 dhs, freier Eintritt für Kinder bis sechs Jahre.

17 Uhr: Das perfekte Marokko-Mitbringsel: Hochwertiges Arganöl bei „Arganino“

Nicht umsonst ist Arganöl auch unter dem Spitznamen „Das Gold Marokkos“ bekannt: Aus den Nüssen des Arganbaums gewonnen, der weltweit ausschließlich im Südwesten Marokkos gedeiht, gilt es als eines der exklusivsten und kostbarsten Öle in den Bereichen der Haut- und Körperpflege. Wer also nach dem perfekten Mitbringsel für zuhause sucht: Bei Arganino gibt es das Öl in all seinen Variationen, darunter als Gesichtsöl (z.B. mit Orangenblüte, Zitronenverbene oder pur), als Maske oder auch als Speiseöl, um Salaten und anderen Gerichten ein aromatisch-nussiges Finish zu verleihen.

Arganino 15, Souk Cherifa. M 29 Sidi Abdel aziz, Marrakesch, Marokko. Tgl. 10 – 19.30 Uhr.

18 Uhr: Entspannt zu Abend essen im begrünten „Le Jardin“

©Lisa Staub
©Lisa Staub

Zum Abendessen geht es ins Restaurant „Le Jardin“, das im wahrsten Sinne des Wortes wie ein kleiner, verwunschener Garten inmitten der trubeligen Altstadt erscheint. Grün ist hier die bestimmende Farbe des Lokals, das in einem Riad aus dem 16. Jahrhundert untergebracht und von hochgewachsenen Bäumen umgeben ist. Die Karte vereint Klassiker der marokkanischen und europäischen Küche und hält von Mezze über sommerliche Salate bis hin zu deftigen Hauptgerichten für jeden Geschmack etwas bereit. Besonders zu empfehlen sind die Salate, z.B. mit im Ofen geschmorten Möhren, gehackten Pistazien und frischer Nana-Minze. Auch interessant sind die Patatas Bravas, die mit Harissa Aioli gereicht werden. Und wer danach noch Platz für Nachtisch hat: Unbedingt den Dattel-Pudding mit Vanille und Ras el-Hanout-Karamell probieren.

Le Jardin Café & Restaurant. 32 Souk Sidi Abdelaziz, Marrakesch. Tgl. 10 – 23 Uhr.

20 Uhr: Im „Dar Cherifa“ den Sonnenuntergang über Marrakesch genießen

In einer schmalen Seitengasse von Marrakeschs Medina findet sich ein kleines Juwel: Hinter einer unscheinbaren Tür verbirgt sich ein üppig verziertes Riad aus dem späten 15. Jahrhundert, das mit seinem ruhigen Innenhof den perfekten Gegenpol zur Hektik der Altstadt bildet. Das Essen ist eher durchschnittlich, doch allein für die Atmosphäre lohnt der Besuch trotzdem. Idealerweise kommt man einfach für eine Tasse frischen Minztee nach dem Abendessen vorbei und lässt dort ganz entspannt den Tag ausklingen. Tipp: Bei gutem Wetter den Besuch unbedingt auf die Dachterrasse verlegen, in den gemütlichen Lounge-Sofas versinken und den unverstellten Blick über den Dächern Marrakeschs genießen.

Dar Cherifa. 8, Derb Chorfa Lkabir – Mouassine – Marrakesch. Tgl. 10 – 24 Uhr (außer mittwochs bis 19 Uhr).

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